Vom Verstehen im Kopf zum Spüren im Alltag.
Gehört Dein Bücherregal auch zu den Orten, an denen sich das geballte Wissen über Achtsamkeit, Selbsterkenntnis und Spiritualität stapelt? Wahrscheinlich weißt Du theoretisch ganz genau, wie das mit dem Loslassen, dem Urteilsfreien Sein und dem inneren Frieden funktioniert. Und doch sitzt Du manchmal da und spürst eine leise Unzufriedenheit. Weil die Antwort trotz all des Wissens im Alltag oft so unscharf bleibt. Wo stockst Du innerlich, wenn Du ganz ehrlich hinschaust?
Vielleicht bei der Erkenntnis, dass Verstehen im Kopf und Begreifen im Herzen zwei völlig verschiedene Welten sind – und dass all das Wissen wertlos bleibt, wenn wir nicht den Mut finden, danach zu handeln.
Wir wissen es längst – wir erkennen es nur nicht
Mir selbst ging es eine ganze Weile genau so. Ich wusste so vieles. Aber wirklich begriffen habe ich es erst kürzlich. Seitdem übe ich täglich in kleinen Dingen und Schritten das „in mich Lauschen“ und das Sehen meiner wahren Bedürfnisse.
Denn eigentlich ist es ganz einfach: Spiritualität als Suche nach dem Göttlichen ist im Grunde eine völlig alltägliche Handlung. Sie passiert in jedem Moment, in dem wir uns unserer selbst bewusst sind und dieses Sein einfach nehmen, wie es ist: präsent und wertfrei spürend, was sich gerade zeigt.
Sich selber spüren heißt, sich wahrzunehmen und sich für wahr zu halten. Und damit sich zu trauen, sich zu erlauben zu sein. Das Göttliche ist nichts Abgehobenes, sondern etwas ganz Natürliches, Alltägliches und im Kern wunderbar Unspektakuläres. Es fließt in uns wie der Atem oder unsere Blutzirkulation. Das Wunder ist längst da – wir sind es selbst. Wir haben es nur im Lärm unseres theoretischen Wissens oft übersehen.
Die Königsübung des Sich-Trauens
Wenn wir anfangen, uns wieder so zu spüren, wie wir gerade da sind, können wir wieder staunen wie die Kinder. Wir entdecken uns selbst neu. Ja, manches davon mag im ersten Moment erschrecken oder schmerzhaft sein. Es braucht Mut, sich selbst so zu sehen, wie man wirklich ist.
Aus diesem mutigen „Sich-Trauen“ erwächst erst das, was wir Erwachsene dann „Vertrauen“ nennen. Aber fühle selbst einmal hin. Wenn Du magst, schließe für einen kurzen Moment Deine Augen. Sprich die folgenden Worte aus und lausche, was sich dazu in Dir bewegt:
Trauen – Vertrauen.
Ich traue mich. – Ich vertraue mir.
Ich traue dem anderen. – Ich vertraue dem anderen.
Spürst Du den Unterschied? Mit welchem Satz gehst Du in Resonanz? Bereitet Dir das eine mehr Mühe als das andere? Oft warten wir auf das große „Urvertrauen“, anstatt im Kleinen mit dem „Trauen“ anzufangen. Die eigentliche Königsübung ist es, dem zu folgen, was wir beim Lauschen wahrnehmen. Nicht zu analysieren, sondern zu spüren und aktiv zu sein – aktiv sein.

Das Ende des Zwei-felns
Vielleicht ertappst Du Dich auch oft dabei, wie Du Deine Entscheidungen hinterfragst. Dieses ständige Hin und Her zwischen zwei Möglichkeiten – das pure Zwei-feln. Wir nutzen unser ganzes spirituelles Wissen oft nur dazu, um im Kopf abzuwägen, was die „richtige“ Option wäre.
Was wäre, wenn es gar nicht darum geht, zu wissen, was richtig ist? Was wäre, wenn es schlicht darum geht, sich zu trauen?
- Sich zu trauen, zu fühlen, was jetzt gerade da ist.
- Zu spüren, was Du selbst gerade tatsächlich brauchst – und es auch auszusprechen.
- Den ersten Schritt zu gehen, um zu sehen, wie das Leben darauf reagiert.
Du bist bereits das Wunder, nach dem Du so lange gesucht hast – es wartet nur darauf, dass Du Dich endlich traust, Deiner eigenen Wahrheit zu folgen.
Erst über das Tun entdecken wir unser eigenes Sein. Wir müssen nicht warten, bis wir perfekt geheilt oder frei von Zweifeln sind, um loszugehen. Sogar das Schreiben dieses Blogartikels ist für mich gerade ein solches „Trauen“. Ich warte nicht, bis der Text perfekt in ein theoretisches Raster passt. Ich haue ihn jetzt raus, wo es fließen will. Wenn Du erkennst, was gerade ist und es so sein lassen kannst, entsteht ein ganz automatisches Loslassen. Und durch dieses Erkennen und Loslassen entsteht das Fließen, nach dem wir im Kopf so dringend gesucht haben.
Aus dem Widerstand des endlosen Nachdenkens in das Fließen des Handelns kommen. Mit dem Erkennen dessen, was ist, eröffnen sich Dir plötzlich völlig neue Möglichkeiten zu handeln. Du musst keine neuen Antworten mehr suchen. Du darfst anfangen, das zu tun, was Du längst weißt.
Welchen nächsten kleinen Schritt wirst Du heute gehen, um Deiner eigenen, wahren Stimme nicht nur Gehör zu schenken, sondern ihr auch zu folgen?